Darauf einen Schierker

Der Schierker Feuerstein ist seit über 100 Jahren ein Symbol für den Harz und eine beispiellose Erfolgsgeschichte eines Familienunternehmens.

Britta und Walter Möller führen das Unternehmen bereits in der vierten Generation. Und auch der älteste Sohn der Inhaberfamilie ist bereits im Unternehmen tätig. Florian Möller ist studierter Betriebswirt und Assistent der Geschäftsleitung. Er wird später ein Wissen über etwas haben, um das ihn viele beneiden werden: Die unnachahmliche Rezeptur des Kräuter-Halb-Bitters Schierker Feuerstein. Diese wird ausschließlich innerhalb der Familie des Unternehmens weitergegeben und lebt dann mit ihm in der fünften Generation weiter. Seine Eltern sind stolz darauf, dass mit dem 24-Jährigen die nächste Generation in den Startlöchern steht, auch wenn beide noch nicht konkret über den Zeitpunkt der Firmenübergabe nachdenken.

„Wie der Generationswechsel sich gerade vollzieht, freut uns sehr“, sagt Walter Möller und meint weiterhin: „Dabei ist es wie so oft – die Jungen sind sehr euphorisch, kommen mit neuestem Fachwissen und Ideen und die Alten bringen ihre Erfahrungen ein. Wir ergänzen uns und lernen voneinander. Eine echte Win-Win-Situation also.

Die gleichbleibend hohe Qualität und der ausgewogene Mix aus Tradition und Moderne sind unser Erfolgsrezept. Wir wollen mit der Zeit gehen und gleichzeitig an Traditionen festhalten.“ Denn die sind schließlich seit über 100 Jahren das Herzstück der Firma – und ihr größtes Kapital. 1908 erhielt der damals 28-jährige Apotheker Willy Drube und Urgroßvater von Britta Möller die Konzession für die Apotheke „Zum Roten Fingerhut“ in Schierke. Der kleine Ort galt schon damals als „St. Moritz des Nordens“ und die wohlhabenden Kurgäste ließen es Seele und Leib gut gehen. Sie fragten Orts-Apotheker Willy Drube immer öfter nach einem Getränk, das sie nach einem guten Essen genießen konnten. Daraufhin entwickelte der Pharmazeut einen hochprozentigen Likör auf Kräuter-Basis und gab ihm den Namen Schierker Feuerstein – angelehnt an die berühmte Gesteinsformation der Gegend. Willy Drube erkannte, dass sich hier eine echte Marktlücke aufgetan hatte und meldete Schierker Feuerstein schon 1924 als Marke an. Diese fand so guten Anklang, dass der Apotheker bereits in den frühen 1930er Jahren zahlreiche Werbeideen in Form von gut inszenierten Hirschgeweihen, Trikotwerbung bei den Deutschen Rodelmeisterschaften und mit dem Logo bedruckten Stielgläsern umsetzte. Die Geschichte des Unternehmens zeigt, dass wohl kaum ein Produkt so eng mit der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands verbunden sein dürfte, wie Schierker Feuerstein. Die Firma überstand den zweiten Weltkrieg, in dem Willy Drube mangels ausreichender Versorgung mit Zutaten eine Kriegsrezeptur entwickelte sowie später auch die Teilung Deutschlands, denn Schierke lag im Gebiet der ehemaligen DDR. Im Osten gab es fortan die seit Kriegszeiten vereinfachte Version vom Schierker Feuerstein und im Westen die Originalrezeptur von Willy Drube. Schon in den 50ern hatte dieser nämlich in weiser Voraussicht dafür gesorgt, dass seine Tochter und sein Schwiegersohn dort einen weiteren Firmensitz aufbauten. Nach der Wende gelang es der Familie dann 1990, tatsächlich noch vor der offiziellen Wiedervereinigung, den Betrieb in Schierke trotz vieler Unwägbarkeiten von der Treuhand zurückzubekommen. „Es gab die Überlegung, die komplette Produktion wieder nach Schierke zu verlagern“, erzählt Walter Möller. „Aber wir produzieren mehrere Millionen Flaschen im Jahr, allein was hierfür an Material geliefert und geholt werden muss -das wäre logistisch bei den bergigen schmalen Straßen in Schierke und Umgebung nicht machbar gewesen.“

Und so ist das komplett und liebevoll sanierte Stammhaus, die „Alte Apotheke“ in Schierke, heute so etwas wie ein Flagship-Store des Unternehmens. Ein Shop mit Image-Charakter, der neben Schierker Feuerstein, Schierkuja, mit den Spirituosen verfeinerten Produkten und modernen Merchandise-Artikeln in einem Mini-Museum Zeugnisse aus der Vergangenheit präsentiert: Vergilbte Postkarten, altertümliche Ampullen, abgegriffene Arzneibücher. Die historischen Räumlichkeiten im Schierker Feuerstein Stammhaus können nach Voranmeldung auch besichtigt werden. In dem aromatisch duftenden Kräuterlager im Keller des Gebäudes wird bis heute die geheime Mixtur des Schierker Feuerstein zusammengestellt und dann in die Produktionsstätte nach Bad Lauterberg gebracht. Die Kräuter werden anschließend mit Wasser und hochprozentigem Alkohol vermischt, um den Grundstoff für den Schierker Feuerstein herzustellen. Ein Verfahren, das Experten wie der gelernte Destillateur und Brennermeister Walter Möller „Mazeration“ nennen. Dieser Grundstoff wird nach einer entsprechenden Lagerzeit mit anderen Komponenten zum Schierker Feuerstein weiterverarbeitet. Während des gesamten Herstellungsprozesses wird im Hause Schierker Feuerstein großer Wert auf die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnerfirmen aus der Region gelegt, wann immer dies möglich ist. In die Flaschen gelangt der legendäre Kräuter-Halb-Bitter über zwei Abfüllstraßen. Mehrere tausend 0,7 l Flaschen und bis zu 15.000 Kleinflaschen pro Stunde laufen hier über das Band, bevor sie sich auf den Weg in den Handel, die Gastronomie und in die Wohnzimmer der Schierker Feuerstein Liebhaber machen. Der Kräuter-Halb-Bitter erfreut sich aber nicht nur eiskalt und pur großer Beliebtheit, sondern auch als Komponente in einer Vielzahl von leckeren Mixgetränken. Allerdings wird bei allen Tipps für den Genuss und auch bei der Vermarktung des Schierker Feuerstein die Verantwortung für die Einhaltung des Jugendschutzes stets sehr ernst genommen. Das Unternehmen setzt sich für einen verantwortungsvollen Genuss ab 18 Jahren und auch für einen maßvollen Verzehr ihrer Spirituosen ein. Neben diesen umfasst das Sortiment auch zahlreiche weitere Produkte. Hierzu gehören Fruchtaufstriche, Trüffel, Grillsauce, Senf und Salami, die in regionalen Manufakturen in liebevoller Handarbeit hergestellt und mit Schierker Feuerstein verfeinert werden, sowie eine Sonderabfüllung des Heimatliebe Bieres. Seit 2019 erweitert Schierkuja, ein fruchtiger Likör mit Maracujageschmack und Gold-Glitzer, das umfangreiche Sortiment von Schierker Feuerstein. Der „Harz-Glitzer“ soll als Party-Getränk besonders die jüngeren Erwachsenen ansprechen, denn die nächste Generation steht schließlich nicht nur bei Familie Möller in den Startlöchern. 

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Über die Autorin /

Geschäftsführender Gesellschafter bei Kroesing Media Group, Fotograf und Filmer

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