Die Mission der 62. Gandersheimer Domfestspiele ist klar: MORGEN IST JETZT – ERST RECHT

Corona hat uns gezwungen, mit kulturellen „Entzugserscheinungen“ zurechtzukommen. Es hat geschmerzt, auf so vieles verzichten zu müssen, was uns Freude bringt. Jetzt sind die Darsteller der diesjährigen Gandersheimer Domfestspiele einfach extrem bereit. Endlich wieder in die überrascht-verzückten und strahlenden Gesichter der Festspielbesucher schauen können, sie begeistern, von den Stühlen holen. Ja, glauben Sie uns, liebe Theaterfreunde. Sie wurden wirklich schwer vermisst.

Ein Sommer ohne Gandersheimer Domfestspiele. Ein trauriges Szenario, das im letzten Jahr entsetzliche Wirklichkeit wurde. „In dieser Spielzeit haben wir nun coronabedingt in jeder Vorstellung zwar nur eine Auslastung von 50%, aber eine längere Saison. So wollen wir es unseren Besuchern ermöglichen, Karten für ihr Lieblingsstück kaufen zu können. Die Alternative wäre gewesen, gar nicht zu spielen. Aber dazu kam es zum Glück nicht“, erklärt Marc Bollmeyer, Regisseur und Choreograph und des Musicals „Flashdance“, sichtlich erleichtert.

Flashdance? Genau.
What a feeling.

Na, haben Sie jetzt schon den passenden Klang im Ohr, vielleicht sogar Bilder im Kopf? Im Film Flashdance, der 1983 in die Kinos kam, kämpfte die schöne wie toughe Alex für Gleichberechtigung, die Liebe, aber vor allem ihren großen Traum, das Tanzen. Spätestens zu Songs wie „Maniac“ gab es damals kein Halten mehr. Die Zeit, in der Musikvideos auf MTV eine neue, aufregende Sache waren, hatte ihren ganz eigenen Beat. Und die Spannung und Vorfreude, welche Stücke wohl auf dem Festspielplan eines Jahres stehen und wie sie auf der Bühne umgesetzt werden, ist immer wieder groß. Die Hits aus Flashdance und den 80ern werden die Besucher auch heute noch mitreißen. In 2021 dürfen wir nun unter anderem dabei sein, wenn Sarah Kornfeld der „Alex“ in Flashdance eine ganz besondere Persönlichkeit verleiht, mit dem schnittigen Rennrad unterwegs ist und auch die berühmte „Wasser-Tanz-Szene“ spielt. Ganz schön sexy, aber natürlich in bester Festspiel-Manier. Am Dom lässt sich keine Dusche installieren. Das Wasser kommt gnadenlos in größerer Menge von oben und aus dem Eimer. Plätschert an diesem frischen Abend mehrfach über „Alex“ herüber. Und ihre Freude darüber könnte offensichtlich nicht größer sein. Sarahs Strahlen ist einfach nur entwaffnend. Sie wurde aus 450 Bewerberinnen für diese Rolle ausgewählt. „Es geht nicht nur ein kleiner, sondern ein ganz großer Traum für mich in Erfüllung“, hat sie gesagt. Dabei hat sie es bei der Arbeit mit Marc Bollmeyer mit einer „triple threat“, wie er sie nennt, mit einer „dreifachen Bedrohung“ zu tun.

Müssen die Darsteller nicht nur athletisch und dynamisch sein, sondern Gesang, Spiel und Tanz in Perfektion vereinen.

„Unsere Darsteller müssen alle Bereiche bedienen können. Das ist eine große Herausforderung. Gerade wenn man so nahe am Zuschauer dran ist. Ich habe 11 Schauspieler im Stück. Das ist wirklich nicht viel, aber sie können alles und besetzen sogar mehrere Rollen.“ Und dann gibt es einen Lacher. Festspiel-Wiederkehrer Tim Müller, 2019 der „Berger“ in Hair, betritt die Bühne. Er wird Alex´ Schwarm Nick spielen. Trägt Müller im wahren Leben zwar Bart, aber kein Haupthaar, wird ihm für die Rolle eine Perücke verpasst. Es steht ein ganz neuer Mensch vor uns. Die Verwandlungen der Darsteller und wie sie nach kürzester Zeit die Charaktere verkörpern, ist grandios. Tim Müller selbst hat der Flashdance-Sound übrigens längst gepackt. „Die Musik von Flashdance geht direkt ins Blut und so sehr ich es auch versuche, sobald sie läuft, kann ich nicht mehr still halten.“

Beste Voraussetzungen, um die ganze Festspiel-Gemeinde in ihren Bann zu ziehen. Alle Darsteller wissen allerdings auch, dass sie bei einer Open-Air-Aufführung unter dem Dom auf alle Eventualitäten eingerichtet sein müssen. Der Mai ist gerade vorbei und es nieselt sachte auf uns herab. Bis zur Premiere sind es noch einige Wochen, in denen sich die Sonne warm läuft. Gerade bei einem Stück mit Tanz ist es aber wichtig, den Boden trocken und gefahrenfrei zu halten. So ist es nicht ungewöhnlich, dass mit Abziehern und Wischmop über die Bühne gewirbelt wird, als würde es ins Stück gehören. Doch auch die Wärme hat ihre ungeahnten Tücken. „Wenn die Sonne auf den Boden scheint und ihn stetig erhitzt, kann man zum Beispiel nicht darauf sitzen“, erklärt Marc Bollmeyer. In jedem Fall sind Fantasie und Ideenreichtum gefragt, ein Stück auf eine solche Festspielbühne zu bringen, alles andere als ein herkömmlicher Job. Und dennoch, die Stimmung vor Ort und im Ensemble ist wieder einmal herrlich vorfreudig und auf gute Weise ausgelassen. Und das, obwohl Marc Bollmeyer wegen der besonderen Umstände eine ganze Woche Produktionszeit fehlen.

Als wir uns kurz vor der Flashdance-Premiere wieder sehen, schwärmt er von seinem Team, der Regieassistenz, der musikalischen Leitung, dem Dance Captain und natürlich den Darstellern, die bis hierher eine fantastische Arbeit geleistet haben. „Jede Minute war ausgefüllt. Begonnen mit den choreografischen, gefolgt von den szenischen Proben und dann alles zusammen-zu-führen. Licht, Ton und die Band zuzufügen, die Kostüme zusammenzustellen, das war wieder sehr spannend.

Aber jetzt müssen die Darsteller wirklich raus. Sie wollen auf die Bühne.

Ich selber kann jetzt nicht mehr viel machen. Ich hab alles choreografiert, wir haben es eingeprobt und ich kann nur noch leichte Korrekturen durchgeben. Ich habe ein fantastisches Ensemble dieses Jahr. Wir sind nicht nur künstlerisch hervorragend aufgestellt, es ist auch menschlich einfach toll. Ich bin sehr glücklich“, freut sich Bollmeyer, der seit 2015 immer wieder zu den Domfestspielen gerufen wurde. Er kennt den „Zauber“, der hier vorherrscht, zu gut.

„Es fühlt sich wie Familie und auch ein bisschen wie Sommer-Camp an.“

Und das, obwohl in diesem Jahr wirklich einiges anders läuft, als gewohnt. Zum Beispiel das gesellige Beisammensitzen auf dem „Plaza“ wegen der derzeitigen Situation etwas eingeschränkt möglich ist, und alle Menschen, die dieses Kulturerlebnis möglich machen und dafür arbeiten, täglich ganz selbstverständlich alles für die Sicherheit im Umgang mit Corona geben. „Trotz der unsicheren Bedingungen geben unsere Darsteller 100 %, stecken voller Elan, Motivation, Professionalität und Spielfreude. Diesen Job machst du nicht, um reich zu werden, denn man muss wirklich viel tun, um einen normalen Lebensstandard halten zu können. Darsteller ist man mit ganzem Herzen. Das Wichtigste ist die Wertschätzung ihrer Arbeit, Dank und Freude, die sie von den Zuschauern zurückbekommen.“

Diese Tatsache und das Lob möchten wir gern gleich auf alle Schauspieler und Teams der weiteren Stücke übertragen, gelten diese wichtigen Worte doch ihnen allen.

„Alex“ | Sarah Kornfeld

Neben Flashdance wird Sie sicher „Das Dschungelbuch“ begeistern, das jetzt mit toller Musik neu aufgelegt wurde. „Die drei von der Tankstelle“ bringen den Charme der 30er mit und Füße unweigerlich zum Wippen. Der „Faust“ lässt sich in Gandersheim einmal mehr mit dem Teufel ein, und Fehmi Göklü erklärt in Neuauflage auf wunderbare Weise, „Al dente – Ich bin hier le Chef“.

Auf www.gandersheimer-domfestspiele.de finden Sie einen Ticket-Shop, über den Sie ganz bequem buchen und auch Ihre Plätze wählen können. Außerdem erfahren Sie alles über das greifende Corona-Hygienekonzept, alle Stücke, Darsteller & Co. Die Spielzeit dauert noch bis zum 29. August 21 an und wird an diesem Tag mit der letzten Aufführung von „Flashdance“ beschlossen. Aber bis es so weit ist, wünschen wir Ihnen noch ganz viel Spaß und viele Emotionen unter dem Dom. Sie wissen ja, jetzt erst recht!

Ihre Fragen zur Kartenbestellung wenden Sie gern an E-Mail: kartenzentrale@gandersheimer-domfestspiele.de, Tel. 05382 / 9553311. Die Kartenzentrale an der Stiftsfreiheit 12 ist geöffnet von Montag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr. Am Samstag 10 bis 12 Uhr und außerdem 90 Minuten vor der Aufführung.

Wer helfen möchte, die Gandersheimer Domfestspiele zukunftssicher aufzustellen, kann das auch ohne einen Ticketkauf tun. Senden Sie Ihre Spende an: IBAN DE76 2625 0001 0172 0762 34 (Kreis-Sparkasse Northeim) und freuen Sie sich auf viele weitere Spielzeiten.

Über die Autorin /

Elke … freie Rednerin, Redakteurin. Hochzeitsverliebte, zuverlässige Frohnatur, die es immer nur ganz gibt.

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