Sonnenschutz für Kinder und Co

Sonnenschutz für Kinder und Co
„Das Kind soll ja auch ein wenig braun werden“

So die Meinung einer Mutter eines zweijährigen Kindes in der Rats-Apotheke bei der Auswahl eines Sonnenschutzmittels.
Klare Antwort: Nein, soll es nicht!
Nach einiger Überzeugungsarbeit konnte ich Sie doch von einem hohen Sonnenschutz überzeugen und Tipps für den richtigen Umgang mit der Sonne bei Kindern geben. Ein guter Anlass das Wichtigste für Sie zusammenzufassen:

Der Zusammenhang zwischen Sonnenbrand und Hautkrebs ist inzwischen bekannt, aber speziell bei Kindern ist höchste Vorsicht geboten. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Zahl der Sonnenbrände in der frühen Kindheit, genauer bis zum zehnten Lebensjahr, ausschlaggebend für die Entwicklung von Hautkrebs ist. Zudem entstehen 50 – 80 % der lichtbedingten Schäden während der Kindheit. Die Ursache liegt in der besonderen Beschaffenheit der Kinderhaut; diese ist noch sehr dünn, kann nicht ausreichend bräunen und bildet keine schützende Hornhaut. Der fehlende Eigenschutz führt dazu, dass bei Kindern durchschnittlich eine ca. dreimal größere Menge an schädlicher UV-Strahlung in tiefere Hautschichten eindringt als bei Erwachsenen!

Regeln für den richtigen Umgang mit der Sonne – oder die 4-H-Regel

4h-Regel

Säuglinge und Kleinkinder dürfen nicht der Sonne ausgesetzt werden. Später gilt die 4-H-Regel: Hut (gern mit Schirm und Kragen), Hemd, Hose und Hoher Lichtschutzfaktor (LSF). Neben passender Bekleidung (zertifiziert mit Lichtschutz versehen) müssen Kinder dementsprechend einen hohen LSF verwenden. In Deutschland sind mindestens 30 – 40 und in sonnenintensiven Ländern 50+ aufzutragen. Es sollten Cremes mit einem hohen Anteil an physikalischen Filtern (weiße Pigmente) verwendet werden. Diese Pigmente absorbieren die gesamte UV-Strahlung und sind besonders gut verträglich. Zudem ist es ratsam, hypoallergene parfüm- und konservierungsmittelfreie Präparate zu kaufen, da mit diesen die Gefahr einer Sonnenallergie minimiert werden kann.

Besonders wichtig für die richtige Anwendung des Sonnenschutzmittels ist ein rechtzeitiges Auftragen des Produktes. Dies sollte 20 – 30 Minuten vor dem Sonnenkontakt erfolgen. Für einen ausreichenden Schutz über den Tag ist das mehrfach wiederholte Eincremen unerlässlich, insbesondere nach dem Schwimmen (auch wenn es sich um ein wasserfestes Produkt handelt). Natürlich ist das Sonnenschutzmittel in ausreichender Menge aufzutragen, da nur so der deklarierte LSF erreicht wird.

Auf das Eincremen der Haut sollte immer Sommer generell nicht verzichtet werden, da auch bei bewölktem Himmel ein großer Anteil der UV-Strahlen die Wolken durchdringen kann.
Kommt es trotz gewissenhafter Anwendung von Sonnencremes zu einem Sonnenbrand, sollte in einigen Fällen ein Arzt konsultiert werden, z.B. wenn mehr als 15 % der Haut verbrannt sind, sich Bläschen bilden, es zu Fieber kommt oder generell bei Babys.

Kinder können und wollen meist nicht für sich selbst sorgen, erst recht nicht wenn es schnell in die Sonne und an den Strand gehen soll. Machen Sie das Eincremen zu einem spielerischen Ritual, damit das Kind schon früh darauf achtet, sich und seine Haut zu schützen. Denn die Haut vergisst nie und ein ausreichender Sonnenschutz ist bedeutend für ein lebenslanges unbeschwertes Sommervergnügen!

Text: Dr. Steve Minde, Foto: Dietrich Kühne

Ratsapotheke