Ich glaub´, ich steh im Wald! – GEO Caching für Dummies

Wie aus einem Muggel ein Cacher wird
N 51° 49.265 E 10° 14.853

Es treibt ein Virus sein Unwesen, der vor niemandem Halt macht. Er schleicht sich langsam ein und treibt Infizierte jeden Alters in ablegensde Wälder, auf Hochhäuser und sogar ins Wasser. Erst einmal angesteckt, wird sich der „Kranke“ nicht immer zu erkennen geben. Aber die Stimme in seinem Kopf verstummt nie und fordert immer wieder auf: Finde den Schatz! GEO Caching ist eine moderne Form der Schatzsuche und Schnitzeljagt, die auf der ganzen Welt Anhänger findet. Allein in Deutschland sind fast 70.000 Caches versteckt. Wir wollten wissen, was es mit diesem Hobby auf sich hat. Ob es wirklich funktioniert, per GEO Caching Teenies aus der warmen Stube zu locken und wie schnell sich ein „Muggel“ in einen echten „Cacher“ verwandelt.

Dafür haben wir uns schlau gelesen und erfahrene Cacher, also Schatzjäger, befragt. Denn wir wollen an diesem schönen Tag im Mai nicht nur einen Harzer Schatz heben, sondern auch gleich einen verstecken. Schon jetzt galt es einige wichtige Dinge zu beachten. Denn nicht alles gehört in einen Cache. Ein Schatz soll Spaß machen, für jede Altersgruppe tauglich und jugendfrei sein. Kinder lieben kleine Überraschungen. Große schätzen auch eine Gabe aus dem Baumarkt. Fest steht, daß Ü-Ei-Präsente nicht so glücklich machen, wie ein Stück leuchtende Straßenkreide. Lebensmittel oder Feuerzeuge haben in einem Cache übrigens nichts zu suchen. in einem Ladengeschäft, in dem man die grundlegenden Utensilien für einen wirklich günstigen Preis erstehen konnte, kauften wir eine wasserfeste, schmucke Dose, Stifte und ein kleines Buch, in dem die Cacher in Zukunft ihren Gruß hinterlassen sollen. „Cache“ heißt übrigens übersetzt „Geheimes Lager“. Auch wir haben der Dose etwas Geheimes, also einen Schatz, zugefügt und schnell erkannt, daß diese kleinen Dinge einen großen Teil des Zaubers ausmachen. Eine der goldenen Caching-Regeln ist: Wer etwas aus dem Schatz heraus nehmen will, legt zuerst etwas Anderes dafür hinein. So rüsten wir uns natürlich auch für einen Tausch. Das war aber nur den Anfang, bevor das Spiel am heimischen Computer beginnen konnte.
Richtig Spaß macht Geo-Caching sicher nur, wenn man über das nötige, technische Equipment verfügt und sich mit der Cacher-Gemeinde vernetzt hat. Wir haben für unseren Einstieg in die unendliche Welt der Cacher die Webseite www.geocaching.com ausgewählt, auf der man sich kostenlos registrieren kann. Hier sind angeblich die meisten Schätze verzeichnet und ein reger Austausch im Gange. Wer allerdings in die Tiefen der Erklär-Seiten eintaucht, sollte der englischen Sprache mächtig sein. Alternativ ist die Deutsche Ausgabe www.geocaching.de empfehlenswert. Auf jeder Seite kann man selbstverständlich Tipps zum Kauf von GPS Geräten finden und viel Wissenswertes lesen.
Ein notwendiges GPS-Gerät (Global Positioning System) hatte unsere Freundin am großen Caching-Tag im Gepäck, denn sie ist schon seit längerer Zeit mit der Familie auf „Jagt“. Vor kurzem investierte sie 80 Euro in ein Modell der Marke Garmin, um Koordinaten zielsicher eingeben zu können. Das ist ein angenehmer Preis. Man kann ohne Probleme einige hundert Euro für so ein Gerät von Falk oder Magellan nebst Equipment ausgeben. Notwendig ist das aber sicher für einen Einsteiger nicht. Durch das Eingeben besagter Koordinaten mit Längen- und Breitengraden in den Handempfänger ist es möglich, eine Position auf 5 Meter genau bestimmen lassen zu können. Als Alternative bietet sich das Mobiltelefon mit integriertem GPS Empfänger. Wie wir später feststellen dürfen, erweist sich das Handy als weniger zuverlässig. Zudem hat man die Wahl, ein kostenloses, oder auch ein 8,99 Euro teures Caching App (Android) herunter zu laden. Egal welches App man nutzen will. Wir lernen: Wenn das Handy im tiefen Wald oder bei ungünstiger Witterung keinen Empfang hat, nützt leider die schönste App nichts. Die kostenlose App macht uns leider nicht wirklich viel Spaß.
Nachdem wir uns problemlos bei Geocaching.com als „USCHI“ registriert haben, kann also unser Abenteuer beginnen. Auf der Webseite findet man kinderleicht die Plätze von versteckten Caches in der Region und sieht natürlich auch, wo noch keines versenkt wurde. Wir entscheiden uns für einen tollen Platz mit fabelhaftem Ausblick über die Harzer Wälder, an dem „USCHI´s Erster“ zukünftig auf Finder warten soll. Es ist nicht zu weit von unserer Heimat-Base entfernt und kann so regelmäßig geprüft und versorgt werden. Auf dem Weg dorthin wird mindestens ein Cache liegen, den wir natürlich heben wollen. Alle Infos zu diesem Cache haben wir uns auf Geocaching.com ausgedruckt. Mit diesen Daten, unserem eigenen Schatz, GPS, Handy und den Kindern im Gepäck geht´s Richtung Wald. Da wir vor haben, durch Dickicht zu streifen, ist eine lange Hose und festes Schuhwerk Pflicht. Leichte Sneakers oder Ballerinas sind für Ausflüge dieser Art eher nicht geeignet. Wer gut vorbereitet ist, hat die Route und ihre Beschaffenheit schon vorher im Netz, z.B. per google Maps, geprüft. Nicht nur wenn es weiter raus geht, sollte man etwas zu Trinken dabei haben. Erfahrene Cacher warnen vor Zecken, dem Fuchsbandwurm und wild gewordenen Bachen. Wir hoffen, daß uns nicht gleich beim ersten Mal eine nervöse Muttersau begegnet.
Unsere lieben Kleinen sind leider zuerst gar nicht so begeistert von den unendlichen Bärlauchfeldern und Waldmeisterfunden wie wir. Die Stimmung ändert sich aber schlagartig, als wir nur noch einigen Hundert Meter vom im Internet aufgespürten Versteck entfernt sind. Das Tempo wird nun auch bei den Teenies schneller. Nur dem Pfeil auf dem GPS Gerät folgen zu müssen, ist eine tolle Sache. Der kleine Freund kennt ja den Weg. Aber beachte: Nur Dummies gehen immer stur querfeldein. Besser ist es, so lange es geht die Wege nicht zu verlassen. Man biegt erst ab, wenn der Richtungspfeil quer zur Marschrichtung liegt und schlägt sich dann in die Büsche. Insbesondere Vorsicht bei Landschafts- und Naturschutzgebieten. Dort ist es in der Regel sogar verboten, die Wege zu verlassen. Privates Gelände (Kuhweide etc.) kann ebenso Schwierigkeiten bereiten. Hier ist der Cache-Besitzer auch in der Verantwortung bzgl. Legen und Beschreiben des Caches.
Mit dem Smartphone alleine wären wir auf unserem Trip recht aufgeschmissen gewesen. Denn kein Empfang bedeutet auch keine Informationen. Außerdem schwankt doch die Zielgenauigkeit des Telefons sehr. Zwischenzeitlich waren wir nun auf einige Meter genau an unserem ersten Cache heran gekommen und anhand der Beschreibung aus dem Netz wurden wir sogar recht schnell fündig. Es kam eine Dose zum Vorschein, in der wir allerhand Krimskrams vorfanden, das vor allem Männer begeistern dürfte. Wir schrieben einen Gruß in das Logbuch, verwenden dafür natürlich nicht unseren echten Namen, sondern den bei Geocaching.com gemeldeten. Entscheiden uns dafür, nichts zu tauschen und verstecken die Dose wieder gut verschlossen an dem Fleck, wo wir sie vorgefunden hatten. Niemand hat uns dabei beobachtet. Spuren wurden wieder verwischt. Alles Geheime bleibt gewahrt. Wir sind nun keine „Muggel“ mehr, wie man den unwissenden und auch neugierigen Passanten in Fachkreisen nennt, sondern echte Cacher. Um dem Ausflug das Krönchen aufzusetzen, geht es weiter Bergauf. Höher rauf geht es wirklich fast nicht mehr, als wir das perfekte Versteck für unseren Cache fest legen. Es wird noch einige Male umkreist, denn er soll auf keinen Fall für Muggels einsehbar sein. Noch etwas „Tarnung“ platziert und für die Sicherheit ein Foto von der Stelle schießen. Fertig. Wir entfernen uns leise und gönnen uns zur Belohnung erst einmal einen gepflegten Becher Maibowle, köstlichen Erbseneintopf und Apfelstrudel, der praktischerweise in unmittelbarer Nähe aufgetischt wird. Schließlich galt es ja den Rat zu beherzigen, einen Ort für das Versteck zu wählen, den es sich aus verschiedensten Gründen zu besuchen lohnt. Nach getaner „Arbeit“ werden viele Cacher an dieser Stelle sicher eine tolle Zeit verbringen.
Zurück Zuhause geht´s noch einmal ins Internet. Wir müssen ja melden, daß wir einen Cache gefunden haben. Außerdem den versteckten Cache noch bekannt machen, ihm einen Namen geben und die Koordinaten eintragen, die sich unser kleiner, gelber Freund so problemlos gemerkt hat. Wir surfen dafür durch mehrere Seiten, beantworten eine Menge Fragen zur Beschaffenheit unseres Caches, Art, Größe und des Weges dorthin, Parkmöglichkeiten und vielem mehr. Auch einen „Hint“, einen Tipp zum Finden, verraten wir. Am Ende erhält man die Nachricht, daß unsere Einträge geprüft werden und es in der Saison schon einmal 7 Tage dauern kann, bis unser Cache in der großen Landkarte mit einer kleinen Dose sichtbar wird. Nun heißt es also warten. Spannend wird es erst wieder, wenn sich die ersten Cacher auf die Jagd nach unserem „Geheimnis“ machen. Denn der erste Eintrag im Logbuch, ein sogenannter „FTF“ (First to Find) ist heiß begehrt. Bis dahin werden wir einfach weiter Abkürzungen und Regeln studieren. Wie DPM „palourdes mortes..“ Was so viel heißt wie „Dieser Cache ist langweilig“ oder BYOP, heißt „Bring Your Own Pen“. Das ist der Fall, wenn kleinste Microcaches versteckt werden, in die einfach kein Stift rein passt. Die Kinder werden ganz begeistert sein, wenn der nächste Aufruf ist CITO „Cache In, Trash Out“. Das bedeutet, es wird gleichzeitig etwas für die Umwelt getan und unterwegs Müll gesammelt.
So umfangreich und recht zeitintensiv die Vorbereitungen für einen Anfänger auch sind, hat das Ganze etwas Gutes. Das Rausgehen und neu entdecken fällt irgendwie nicht mehr so schwer. Man streift durch Gegenden, die man sonst vielleicht nie gesehen hätte. Und selbst Teenager bitten plötzlich „Können wir nicht noch da hinten rum wandern? Da ist noch ein Cache versteckt…“ . Hat man die ersten Hürden überwunden und keine Angst, die Möglichkeiten auszuprobieren, macht es richtig Spaß ein Cacher zu sein. Das Spiel bietet Schwierigkeitsgrade für jeden Anspruch, Rätselspaß und vor allem echte Natur und Frischluft. Welches Online-Game kann da schon mithalten?

Gewinnt das handsignierte Buch von Frank Trepte „Oh nee Papa, nicht schon wieder Geocachen“
Schickt einfach eine Mail an
redaktion@uschi-magazin.de
mit einem Geocachingfoto
oder Schatzsuchfoto
von Euch!

Text und Fotos : Elke Rott



One Comment

  1. Frank Trepte wrote:

    Herzlichen Glückwunsch Elke zu dieser sehr schönen Beschreibung zu unserem noch schöneren Hobby.
    Ich wünsche dem Gewinner meines Buches schon jetzt viel Spaß beim Lesen und Geocachen! Mein Buch beinhaltet schöne Geschichten rund um das Geocachen, in denen dem Neugeocacher alles wesentliche erklärt wird.