Der Kuss

Ein Zungenkuss ist nicht nur ein Muskelspiel von 29 Muskeln, davon die meisten Zungenmuskeln, es ist nicht nur Übertragung von Speichel und Millionen von Bakterien und Viren. Ein Kuss ist mehr als nur ein Kuss mit den Lippen, der Mund nicht nur erogene Zone, der im Gehirn Emotionen auslöst. Ein Kuss ist nicht nur Berührung und Kontakt herstellen sondern Kuss ist Schicklichkeit und Ästhetik.

Überall auf dieser Welt wird geküsst, aber der Kuss ist trotzdem etwas sehr individuelles und nicht zu globalisieren.

Nicht in alles Kulturen werden Küsse gleichermaßen liebevoll und zuwendend interpretiert.

Der Kuss ist nicht nur aus Zärtlichkeit, es gibt den Leidenschaftskuss auf etwas, den Handkuss vor jemanden, es gibt rituelle Küsse und den Versöhnungskuss, den Kuss von Mutter und Vater.

Ein Kuss kann sehr viel, alles bedeuten; kann auch nichts bedeuten, kann betrügerisch, verräterisch sein.
Ein Kuss ist auch ambivalent. Ein Kuss ist Berührung, ist Tasten, Schmecken, ein Kuss ist geschminkt und ungeschminkt, ist geübt und ungeübt.
Mit einem Kuss geben wir und nehmen wir, hoffen wir… freuen wir uns, tauschen uns aus, begegnen uns, vereinigen uns.

Der Kuss ist eine körperlich und seelische Hingabe, auch ein besonderes Geschenk, welches wir uns überall machen können.
Das Küssen ist, glücklicherweise, nichts Virtuelles: Der Kuss kann nicht durch eine Textnachricht, eine Email, durch Facebook ersetzt werden; anstelle des Kusses gibt es nichts Vergleichbares, was unsere Sinne so vielfältig anspricht, wir küssen mit allen Sinnen, mit dem Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn und mit den Augen.

Wer küsst hält einen Moment inne, das Herz schlägt einen besonderen Ton an und dann setzt sie ein, die Phantasie…
Welche Phantasie entwickeln Sie gerade?

N.B. Am 06 Juli ist der jährliche
internationale Tag des Kusses.

Text: Dr. med. Manfred Eilts | Foto: Dietrich Kühne

dietrichkuehne_kuss